Lateinische Dichtung
Die lateinische Dichtung unterscheidet sich von der deutschen Dichtung in einigen zentralen Punkten und sie verändert sich auch nicht mehr, das heißt, es gibt keine wesentlichen Neuerscheinungen, die den Anspruch erheben, die Dichtung fast neu erfunden zu haben. In der deutschen Sprache wird oftmals mit den Endungen des Wortes gereimt, sodass sich immer die letzten Silben oder zumindest die letzte Silbe eines Wortes von einem Vers je nach Reimart auf eine oder mehre Silben reimen vom Ende eines vorherigen Verses. Bei neueren Gedichten wird jedoch auch des Öfteren auf solche Reime verzichtet. Die lateinische Dichtung arbeitet nicht mit Reimen, sondern mit Rhythmus.
Damit man Latein skandieren kann, bedarf es etwas Übung und Zeit, doch mit der Zeit gewöhnt man sich an den Rhythmus lateinischer Texte. Damit der Lesende herausfinden kann, wie der Rhythmus eines Verses ist und wo die Betonungen sind, arbeitet die lateinische Dichtung mit sogenannten Längen und Kürzen. Das heißt jedoch nicht, dass Silben lang beziehungsweise kurz ausgesprochen werden.
Die Betonung ist enorm wichtig, denn nur bei der richtigen Betonung erschließt sich der Rhythmus eines lateinischen Gedichts dem Lesenden. Betonte Silben können mit einem entsprechenden Zeichen gekennzeichnet werden, doch diese Zeichen verwendeten die römischen Dichter selbstverständlich nicht. Der Leser muss also selbst herausfinden, wo sich die betonten Silben eines lateinischen Gedichtes befinden. Dieses Betonen nennt man Latein skandieren.
Für das Latein skandieren gibt es verschiedenen Regeln, die befolgt werden müssen. Eine dieser Regeln besagt beispielsweise, dass eine Silbe lang ist, wenn sie einen Vokal enthält. Eine weitere Regel beinhaltet, dass eine Silbe positionslang ist, wenn auf einen kurzen Vokal zwei oder noch mehr Konsonanten folgen.